"Nothing in life is to be feared. It is only to be understood." - Marie Skłodowska-Curie

Sonntag, 25. April 2010

Dalmatien

Die spontane Unterkunft bei Marinas Freundin Ana ist ein echter Gluecksgriff. Ich schaue abends mit ihrem Mann Championsleague und es ist sehr entspannt. Am naechsten Morgen nehme ich den Bus in die Innenstadt. Ich kaufe mein Busticket inzwischen schon auf kroatisch am Kiosk. An der Bushaltestelle wartet ausser mir nur noch eine weitere Frau, prompt habe ich wieder eine Gespraechspartnerin. Wir sprechen zwei Drittel deutsch ein Sechstel polnisch ein Sechstel kroatisch, Wahnsinn!

Zadar ist wirklich schoen, die Stadtmauer grenzt ehrwuerdig die Altstadt ein, deren Kirchen, Tempeln, Foren und Saeulen den Besucher sofort darauf stossen, dass er sich hier an einer Staette des Weltkulturerbes befindet. Ich gehe in die Donatuskirche und frage nach Studentenermaessigung, das Maedchen am Verkaufstisch ist selbst Studentin und laesst mich kostenlos in das ueber 1000 Jahre alte Gebaeude. Anschliessend besuche ich den Glockenturm und geniesse einen herrlichen Blick auf Zadar - und komme dort mit dem Ticketverkaeufer ins Schnacken, weil der parallel zum Verkauf Gitarre uebt. Alle Leute scheinen sich ueber ein nettes Gespraech mit einem fremden Menschen zu freuen. Nachmittags treffe ich Ana, Baby und die zwei Hunde zum Kaffeetrinken and der Uferpromenade. Die ist sehr schick und hat eine echte Attraktion zu bieten: eine Seeorgel, die durch die Wellenbewegung Musik spielt und in die Stufen zum Meer eingebaut ist - dort sitzt man dann und hoert das Meer musizieren.

Von Zadar aus geht es nach Šibenik, dort couchsurfe ich wieder. Meine Gastgeberin Sylvia ist Strassenmusikerin und spielt Djembe, und aus Anlass des "Tags der Erde" hat sie in der Stadt einen Infostand zum Wasser- und Energiesparen organisiert und einen Drum Circle mit 16 Djembespielern. Ich stehe lange mit einer Rassel mit im Kreis und finde es faszinierend, wie der Rhytmus Besitz ergreift von der Bewegung der Hand, die die Rassel schuettelt. Ich gehe fast ganz darin auf und bemerke dann doch einen Widerstand. Ploetzlich ist mir das unangenehm, diese Dynamik, diese Fremdbestimmung durch den Trommelklang. Neben uns fangen zwei Maedchen an, Poi zu spielen - es ist wunderschoen, wie das Feuer um die zwei herumtanzt vor der mittelalterlichen Kulisse Šibeniks.

Morgens nehme ich den Bus nach Split, es regnet und meine Laune ist mittelmaessig. In Split im Hostel aendert sich das schnell. Nun bin ich das erste Mal unter lauter Reisenden, die Hostels in Slowenien waren ja eher unterbelegt. Deswegen ist der Eindruck von Split auch weniger kultureller Natur als eher zwischenmenschlich - hier wird viel gefeiert und gelacht. Die Stadtkulisse dazu ist natuerlich vom Allerfeinsten: schicke Laeden, Galerien, hippe Cafes und Kneipen sind in antiken Gebaeuden untergebracht, roemische Tempel sind zu christlichen Kirchen umfunktioniert. Das Altertum ist hier zweifach erobert: durch die christliche Religion und durch die moderne Gegenwart.

Es schliessen sich zwei Tage Inselurlaub auf Vis an. Die Insel ist noch nicht lange der Oeffentlichkeit zugaenglich, sie wurde bis Ende der 90er Jahre vom Militaer genutzt. Das erklaert die herrliche Landschaft. Ich erklettere mir wieder lauter Wege, die nicht als solche ausgewiesen sind und entdecke auf diese Weise Insellandschaften von paradiesischer Schoenheit und Unberuehrtheit.



Ich bade in einer menschenleeren kleinen Kiesbucht im glasklaren Mittelmeer. Ich sitze auf dem Gipfel eines Inselhuegels, unter mir die ganze Weite der Adria, kein Mensch weit und breit, und singe Janis Joplins "Mercedes Benz". Ich lese stundenlang in Ivo Andrićs "Na Drini Čuprija", natuerlich auf Englisch (auf Deutsch heisst es "Die Bruecke ueber die Drina" und ich kann es nur empfehlen).

Nach Vis will ich eigentlich nach Dubrovnik, aber meine Faehre kommt erst in Split an, nachdem der letzte Zug nach Dubrovnik schon weg ist. Deshalb bleibe ich noch eine Nacht in Split, schmeisse alle meine Plaene um und fahre heute nach Mostar in Bosnien. Dubrovnik wird dann ein Ausflug von Montenegro aus. Spontaneitaet ist alles.

Kommentare:

  1. Elli mein Schatz! Dein Blog liest sich wieder sooo schön! Wo isn der nächste?! Dieser ist schon ne Woche alt... aaaah! Hasi braucht Lebenszeichen von Freundin!!
    Dicken Kuss und gute Reise!
    Nele

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  2. ja ja jaa ich hab auch schon 3 mal aktualisisert, aaaber nüscht! bitte meeehr :-)

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