"Nothing in life is to be feared. It is only to be understood." - Marie Skłodowska-Curie

Mittwoch, 23. Juni 2010

Istanbul

Istanbul und ich, das ist die ganz grosse Liebe.

Bayrampaşa

Im Bus ueberfaellt mich kurz die Angst vor der eigenen Courage. Bin ich denn des Wahnsinns, alleine in eine der grössten Staedte der Welt zu fahren ohne auch nur einen Stadtplan im Gepaeck? Ich hab ja keine Ahnung von Istanbul. Ich hab ja noch nicht mal Orhan Pamuk gelesen. Vielleicht ist so ein bisschen Ehrfurcht ganz gut. Ich steige in Bayrampaşa aus und tue mich mit einem schwedischen Paerchen aus dem Bus zusammen, um den Weg in die Stadt zu finden. Wir werden in den kommenden Tagen noch viel zusammen die Stadt erkunden.

Eminönü

Überall ist Wasser. Alles ist blau und golden. Moscheen thronen stolz und maechtig am Ufer. Ein westlicher Orientalismus schlaegt in mir durch und vielleicht verklaere ich diese Aesthetik, aber ich kann mir nicht helfen: Ich finde es bezaubernd. Wir gehen frühstücken auf der Galata-Brücke - der Brücke vom Goldenen Horn, vom Haliç. Der Kellner hat fuenf Jahre in Radolfzell am Bodensee gearbeitet, spricht hervorragendes Deutsch und schenkt uns bunt bemalte Untertassen. Der tuerkische Joghurt mit Honig schmeckt nach Sommerurlaub.


Bosporus

Der Wind weht uns auf dem Schiff um die Nase und die Sonne strahlt genauso wie wir drei. Am Ufer eroeffnen sich immer neue wunderbare Aussichten. Ich kann noch keines der Gebaeude zuordnen. Ich trete der Stadt voellig unbefangen gegenueber - vielleicht trifft mich genau deswegen jeder neue Blickwinkel ins Herz. Mein Kopf wird frei auf den gruenblauen Wellen des Bosporus. Europa und Asien, Moderne und Geschichte, ich fuehle mich im Herzen einer riesigen Metropole aus Gegensaetzen, die europaeischen Lebensstil und mitteloestliche Lebensfreude zu einer einzigartigen Synthese bringt.


Sultanahmet

Der Weg fuehrt durch den Gülhane-Park am Topkapı-Palast vorbei zur Ayasofia. Buntes Treiben auf den Strassen, Touristen werden sofort als solche erkannt. "Hey Lady! Lady!" rufen uns die Strassenverkaeufer zu, um uns was auch immer zu verkaufen - Kebab, Orangensaft, Schmuck, Teppiche. Am Orangensaft kommen wir nicht vorbei, er wird vor unseren Augen frisch gepresst und schmeckt so suess und fruchtig, dass ich mir kaum vorstellen kann, jemals wieder Saft aus einem Tetrapack zu trinken. Wir lernen einen sechzigjaehrigen Goldschmied kennen, der seinen Çay neben uns trinkt. Er teilt tausend Lebensweisheiten mit uns - manche sind gut, manche sind weniger gut.

Taksim Meydanı

Ich treffe Emre, meinen Couchsurfing-Gastgeber, abends am Taksim Meydanı. Ich bin frueh dran und gebe meinen touristischen Beduerfnissen nach: Venti Iced latte bei Starbucks. Chaotischer Verkehr, ausschliesslich junge Leute, eine ueberdimensionale tuerkische Flagge, feine Hotels, Dürüm-Staende. Das geballte Leben am Kreisverkehr vor der Metrostation. Alles ist schnell und energiegeladen, aber das Gefuehl von Stress will sich nicht einstellen. Emre und ich laufen zu seiner Wohnung in einer Sackgasse. Ploetzlich ist alles ruhig. Dutzende von streunenden Katzen spielen auf der laecherlich steil abfallenden Strasse. Das Leben von Taksim tobt nur ein paar Blocks weiter. Ich fuehle mich hier sofort wohl. Fuenf Tage spaeter, wenn ich von dort zu meinem Shuttlebus nach Bayrampaşa laufen werde, werde ich mich fuehlen als haette ich hier gelebt und es nicht nur besucht.

Fındıklı

Fındıklı ist die Metrostation, die man erreicht, wenn man von Emres Wohnung immer bergab zum Wasser laeuft. Ich fruehstuecke am Ufer Starbucks-Kaffee und Börek. Bosnien hat sicher den besten Burek auf dem Balkan, aber die Tuerkei ist das Mutterland des Börek. Der Blick auf den Bosporus - unbeschreiblich. Ein Spielplatz mit laermenden Kindern nebenan zaubert mir ein Laecheln auf's Gesicht. Ich lege es die gesamte Zeit in Istanbul nicht ab.


Gülhane Parkı

Der Rosenhaus-Park, so die deutsche Uebersetzung, am Topkapı Sarayı ist eine Oase der Ruhe in dieser riesigen Metropole. Er ist gruen und bunt und laedt zum Entspannen ein. Ich sitze auf einer Bank, hinter mir spielen zwei Jungs Gitarre. Ich ziehe auf den Rasen um und warte, dass sie etwas spielen, das ich kenne. Da: "Wonderwall". Ich fange an zu singen. Sie winken mich zu sich rueber und wir machen gemeinsam Musik und unterhalten uns nett. Die zwei kommen aus Libanon. Es ist so einfach, hier Menschen kennen zu lernen! Es faengt an heftig zu regnen. Ich suche Schutz unter einem Baum. Eine Baby-Katze versteckt sich unter meinem bodenlangen Rock.


Sultanahmet Camii

Laute Geschaeftigtkeit herrscht in der Blauen Moschee. Die Schuhe muessen wir ausziehen, aber das Kopftuch ist im Besucherbereich nicht notwendig. Kinder rennen und spielen auf dem weichen Teppich. Ueberalle sitzen Menschen im Schneidersitz auf dem Fussboden, Touristen lesen sich gegenseitig aus Reisefuehrern vor, das Klicken der Kameras reisst nicht ab. Es ist trotz allem ein spiritueller Ort. Die Glaeubigen beten dort nur mitten im Leben und nicht in der stillen Abgeschiedenheit. Ich empfinde Moscheen als so viel einladender als christliche Kirchen, die haeufig einschuechtern mit ihrer unsubtilen Demonstration von Macht und Groesse. Ich denke an den Petersdom in Rom. Ich assoziiere: gross und eindrucksvoll. Ich denke an die Blaue Moschee. Ich assoziiere: warm und lebendig.

Taksim I

Taksim, oh, Taksim. Ich habe mein Herz an Taksim verloren. Das Leben ist hier dichter als an anderen Orten. Emre und ich essen in einem einfachen kleinen Lokal. Wir suchen uns den Fisch im Fenster selbst aus. Dazu Salat und zum Nachtisch Wassermelone. Alles ist hier geschmacksintensiv und frisch. Anschliessend laufen wir durch die verschlungenen kleinen Strassen mit Kopfsteinpflaster und tausend Strassencafes. Wir trinken Bier in einer Kneipe, in der ausschliesslich gute Musik laeuft. Es gibt tausend Dinge zu sehen und alles scheint sich staendig zu veraendern, ohne dass es unangenehm unruhig waere. Bunte Lichter an alten Haeusern. Zigarettenrauch und Dürüm-Duft in der Luft. Menschen, die sich zufaellig treffen und mit einer Herzlichkeit begruessen, die mich anruehrt. Der Ort sprueht vor einer Energie, die ansteckend ist. Das Glueck kommt ueber mich wie eine Welle.


Kadıköy

Von Beşkitaş bringt die Faehre uns nach Kadıköy auf der asiatischen Seite Istanbuls. Am Haydarpaşa Bahnhof, von dem aus traditionell die Hajj nach Mekka beginnt, laufen wir langsam in den Hafen ein. Wir trinken tuerkischen Kaffee am Ufer des Bosporus und geniessen die entspannte Atmosphaere. Es fuehlt sich nicht sehr anders an auf diesem neuen Kontinent. Aber ein bisschen. Ich kann nicht beschreiben, warum. Ueber Europa zieht ein Gewitter herauf. Ein wahnsinniger weiter Himmel spannt sich ueber uns. Dass diese Stadt so gross ist und man trotzdem immer so viel Himmel sieht!

Ayasofia
Ayasofia, die beruehmte. Ein historischer Platz. Wunderschoen. Unfassbar. Mich macht er vor allem traurig. Wieder denke ich an Rom, diesmal an die Sixtinische Kapelle. Meine Gastmama hat darueber gesagt: "It was like a mall in there." Ayasofia ist kein spiritueller Ort mehr. Es ist jetzt nur noch ein Museum. Nur noch? Vielleicht ist das der einzige Weg, dieses unvergleichliche Bauwerk zu schuetzen vor den Klauen der Geschichte, vor dem Zahn der Zeit. Es faellt mir schwer, Ayasofia nicht als geweihten Ort zu begreifen, sondern als ein touristisches Objekt. Ich kann sie nicht richtig spueren. Sie bleibt trotz ihrer Schoenheit ein wenig seelenlos.


Topkapı Sarayı

Ich fuehle mich wie in den Gaerten von Alamut. Wieder denke ich, dass meine westliche Erziehung vermutlich den orientalischen Stil zu einem maerchenhaften Wunder. Ob ein Tuerke Topkapı wohl so empfindet wie ich etwa Sanssouci? Und wie empfindet ein Tuerke dann Sanssouci? Ich verliere mich in den verschiedenen Palastgebaeuden und den endlosen Gartenanlagen. In einem Raum singt ein junger Mann aus dem Koran. Ich stehe zwanzig Minuten und hoere ihm zu, waehrend die Touristen an mir vorbeirauschen, nicht rechts oder links schauend. Koennen sie den Zauber dieser Musik nicht fuehlen?


Ortaköy

"It has to be night," sagt Emre, als wir uns gegen 8 auf den Weg nach Ortaköy machen. Wir kaufen Kumpir und setzen uns ans Wasser. Boğaziçi Köprüsü, die erste Bosporus-Bruecke, wird in allen Regenbogenfarben angestrahlt. Blauer Nachthimmel scheint durch eine lose Wolkendecke. Ortaköy Camii, die Moschee, liegt stolz und ruhig hinter uns. Das Leben summt um uns wie in einem Bienenstock. Der Bosporus schlaegt leicht Wellen, aber das Wasser kraeuselt sich nicht so sehr, dass es dumpf wird, sondern es glaenzt wie ein Zerrspiegel. Die bunten Lichter werden zurueckgeworfen in die Nachtluft. Die Stadt hat alles zu bieten, aber sie hat nichts noetig. Ihr groesstes Geschenk fuer den geneigten Besucher ist, dass er hier einfach sein kann.


Taksim II

Auch tagsueber verliert Taksim nichts von seiner Anziehungskraft. Ich kaufe mir einen Ring. Ich moechte die Stadt am Finger tragen. In der langen Fussgaengerzone,
İstiklâl Caddesi, spielen alle paar Meter Strassenkuenstler Musik von voellig unterschiedlichem Stil und Klang, alle paar Meter aendert sich die Atmosphaere. Emre und ich rauchen Nargile (Shisha), essen Dürüm (Kebab im Wrap), trinken Ayran (Joghurt) und spielen Tavla (Backgammon). Wir sitzen in einem Hinterhof, in dem Menschen bei Çay oder Kaffee zusammensitzen und antiquarische Buecher verkauft werden. Wir schauen einfach nur zu. Noch nie ist es mir in einer wirklich grossen Stadt so leicht gefallen, zur Ruhe zu kommen.


Haliç

Der Shuttlebus von Taksim nach Bayrampaşa faehrt am gesamten Suedufer des Goldenen Horns entlang. Ich blicke noch einmal hinueber nach Beyoğlu. Am Horizont ueber Istanbul geht ein roter Mond auf. Ich verlasse die Stadt sehr wehmuetig. Es waere nicht auszuhalten, wenn ich nicht das sichere Wissen im Herzen truege, dass ich wiederkommen werde, wann auch immer.

Samstag, 19. Juni 2010

Veliko Tarnovo / Varna / Burgas

Ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal mit dem Zug gefahren bin, ich glaube es war zwischen Sarajevo und Mostar. Zwischen Plovdiv und Stara Zagora faehrt ein alter deutscher Regionalexpress. Es ist immer wieder seltsam, in einem fremden Land in einem Zug, Bus oder einer Strassenbahn aus Deutschland zu sitzen. Meistens sind die Schildchen - "Nicht aus dem Fenster lehnen", "Notbremse nur im Notfall benutzen", "Waehrend der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen"- unuebersetzt oder nur provisorisch mit bedruckten Aufklebern ueberklebt.
Wie wir es aus dem Regionalexpress von jeher kennen, gibt es auch hier nicht ausreichend Platz fuer Gepaeck. Mein Rucksack ist staendig im Weg und faellt auch immer um. Mein Sitznachbar fragt mich schliesslich "Na gore?"- "Nach oben?" und zeigt auf ein Gepaecknetz, und ich nicke engagiert. Er guckt verwirrt. "Ne?"- "Nein?" Ach du meine Guete, das geht hier ja andersrum mit dem Kopfschuetteln und dem Nicken! Ich sage schnell: "Da, da!" und nicke wieder - ach nein, wieder falsch! und wechsele dann zum Kopfschuetteln. Ich glaube der arme Mann haelt mich fuer ein wenig seltsam, aber mein Rucksack landet schliesslich auf der Ablage. In Stara Zagora muss ich umsteigen, die Zeit ist knapp, ich laufe auf das zweite Gleis und frage einen Schaffner, der da neben dem Zug sitzt: "Veliko Tarnovo?" Er schuettelt den Kopf und sagt "Tarnovo, da!" Gott sei Dank ergaenzt er die Geste um die Worte, auf die ich mich immerhin verlassen kann, sonst waere ich sicherlich endgueltig verwirrt am Bahnsteig stehen geblieben.

Veliko Tarnovo ist heiss. Jeder andere Eindruck verschwindet zunaechst hinter den Temparaturen, es sind wohl an die 40 Grad. Trotzdem mache ich mich nachmittags auf, um auf die Festung Tsaravets zu klettern. Sie ist riesig und ausgesprochen gut erhalten.


Am hoechsten Punkt steht eine Kirche, die mich schwer beeindruckt. Sie ist mit Fresken aus den 1980er Jahren geschmueckt. Ich tue mich sonst so schwer mit moderner Kunst, aber die Waende hier sprechen mich wirklich an. Neben christlichen Motiven finden sich wohl auch Bezuege zur bulgarischen Geschichte. Ich kenne mich leider viel zu wenig aus um irgendetwas zuordnen zu koennen, aber das ist nicht so schlimm. Die Figuren sprechen ihre eigene Sprache, mit der sie Leid und Triumph zum Ausdruck bringen. Abends gibt es im Hostel das Fussballspiel gegen Australien. Ich gehe nach dem 4:0 ausgesprochen gutgelaunt zu Bett.
Am naechsten Tag organisiert das Hostel einen kleinen Trip zu einem nahen Kloster, wo wir versuchen, Fresken bestimmten biblischen Geschichten oder mythologischen Figuren zuzuordnen und schliesslich dahinterkommen, dass das grosse Bild an der Klosterwand den Wechsel der Jahreszeiten darstellt. Alles ist hier von aussen ein bisschen heruntergekommen, aber das Innere der Klosterkirche strahlt im ganzen traditionellen Glanz. Anschliessend fahren wir zum Hotnica-Wasserfall. Wir schwimmen im gruenen Wasser des Flusses und springen die zwei oder drei Meter den Wasserfall hinunter. Eine herrliche Erfrischung!

Ich mache mich zwei Tage spaeter fast etwas wehmuetig auf nach Varna - obwohl oder gerade weil ich in Veliko Tarnovo noch lange nicht alles gesehen habe, hat es mir dort ausgesprochen gut gefallen und ich haette noch viel mehr Zeit dort verbringen koennen. Die Kueste lockt jedoch mit ihren etwas kuehleren Temparaturen. Meine Gastgeberin Boyana kommt mich in Varna vom Bus abholen und wir laufen zu ihrem am Rande des Zentrums gelegenen Appartment, das sie mit ihrem Freund Niki teilt. Vom Balkon aus sehe ich schon das Schwarze Meer, da haelt es mich nicht mehr und ich laufe gleich in die Stadt. Ich bin erstaunt ueber die Schoenheit des Zentrums. Es erinnert mich stark an Opatija in Kroatien und hat viel von oesterreich-ungarischem Kurort-Pomp - wie kann das sein? Die Bulgaren haben das von osmanischer Architektur gepraegte Zentrum Ende des 19. Jahrhunderts nach westlichem Vorbild umgebaut - alles fuer die Distanzierung vom "Joch der tuerkischen Herrschaft". Niki spricht, vielleicht in Ermangelung besserer Englischkenntnisse, sogar von "Slavery", wenn es um die tuerkische bestimmte Vergangenheit Bulgariens geht.
Und schliesslich erreiche ich durch den Primorski Park, den Park am Meer, den Stadtstrand von Varna und sitze am Ufer des Schwarzen Meeres. Es ist graugruener als das Mittelmeer und mir dadurch sehr vertraut. Wild, aber bestaendig. Aus irgendeinem Grund ist mir seine Endlichkeit sehr bewusst. Am Ufer von Ostsee und Mittelmeer erscheint mir der Horizont in aller Regel unbeschreiblich weit, als kaeme niemals Land dahinter. Hier denke ich unmittelbar daran, dass auf der anderen Seite des Meeres Asien liegt und die Weiten Russlands. Es weht ein leichter Wind, der mir den Kopf frei macht. Das Mittelmeer ist wunderbar, es ist ein Urlaubsmeer zum Schwimmen und Strandliegen. Das Schwarze Meer, wie meine geliebte Ostsee, ist zum Spazierengehen und Horizontgucken. Es bringt mich anders zur Ruhe.


Am naechsten Tag verbringe ich den Morgen am Strand und nachmittags gucken Boyana, Niki und ich das Spiel gegen Serbien, naja, reden wir nicht weiter darueber. Niki geht anschliessend mit mir an den Hafen. Er erklaert mir viel bulgarische Geschichte und wir schauen den Segelschiffen zu, die mit bunten Spinnaker in den Hafen einlaufen.

Die naechste Station heisst Burgas. Es ist eın beschauliches Staedtchen mit Kuestenflair, in dem ich zwei ruhige Tage mit viel Fussball und guten Gespraechen mit meiner Gastgeberin Dora und ihrer Cousine Galina verbringe. Von dort bin ich heute nacht nach Istanbul gereist, das einen eigenen Blog verdient. Es ist bislang noch unbeschreiblich. Mein Bild muss sich erst noch festigen. Soviel vorweg: Ich finde es phantastisch.

Dienstag, 15. Juni 2010

Mavrovo / Skopje / Štip / Kloster Rila / Plovdiv


Von Ohrid aus moechte ich eigentlich ueber den Sueden Mazedoniens in Richtung Bulgarien reisen, aber ich finde keine Couchsurfer, es gibt keine Hostels und die Verbindungen mit Bus und Bahn sind fast unmoeglich herauszufinden. Kurz bin ich mal so richtig genervt. Ich habe das Hostel schon bezahlt und mein Zimmer geraeumt und weiss noch immer nicht wo ich als naechstes hin soll. Von einer Minute auf die andere entscheide ich dann, ueber das Kloster Bigorski im Mavrovo Nationalpark nach Skopje zu fahren.
Ach, der Transport hier unten... Diese Route bedeutet ein Taxi von Ohrid nach Struga, einen Furgon von Struga nach Debar und noch ein Taxi von dort zum Kloster. Der Furgonfahrer ist auch wieder ein bisschen aufdringlich und erzaehlt mir eine halbe Stunde lang wie huebsch ich bin. Langsam gewoehne ich mich ja fast an Avancen von uebergewichtigen Mittfuenfzigern und kuemmere mich schon gar nicht mehr richtig darum. Vielmehr geniesse ich den Blick auf die wunderbare Landschaft vom Mavrovo-Nationalpark. Mir war gar nicht klar, dass wir da durchfahren - und ploetzlich finde ich mich inmitten einer der schoensten Landschaften meiner Reise wieder. Gruene Huegel, tiefe Schluchten, und unter uns im Tal die Radika, ein Fluss von einer sensationell blauen Farbe. 


Das Kloster Jovan Bigorski hat zwar eine herrliche Ikonostase mit wunderschoenen Schnitzereien - da der Grossteil der Gebaeude aber vor wenigen Jahren niedergebrannt ist, ist das ganze Gelaende eine grosse Baustelle und von stiller Klosteratmosphaere ist wenig zu spueren. Umso froher bin ich um die Fahrt vom Kloster nach Skopje, die weiter durch Mavrovo fuehrt. In der Abendsonne sind die dichtbewaldeten Huegel noch gruener und die Radika noch blauer.

In Skopje couchsurfe ich wieder - das erste Mal seit Serbien. Meine Gastgeberin Mariska holt mich vom Busbahnhof ab. Sie kommt aus den Niederlanden und macht in Skopje einen Europaeischen Freiwilligendienst - sofort fuehle ich mich an meinen eigenen EFD in Polen erinnert. Mariska teilt die Wohnung mit zwei Slowaken. Ueberall an den Waenden haengen Post-its mit mazedonischen Vokabeln und grosse Flipcharts mit Projektplanungen. In Ohrid stand mir das Couchsurfen etwas bevor, ich war doch sehr ans Hosteln und die staendige Gesellschaft anderer Reisender gewoehnt. Kaum mache ich es mir aber auf Mariskas Couch bequem bin ich wieder vollkommen begeistert von der Gastfreundschaft und dem Erfahrungsreichtum, den diese Internetgemeinschaft ermoeglicht.
In Skopje ist es heiss. Ich verbringe den ersten Vormittag hauptsaechlich damit, die Fussgaengerzone auf und ab zu schlendern, Kaffee zu trinken, Eis zu essen und Leute zu beobachten. Ich sitze dazu lange auf einer Parkbank neben dem Mutter-Theresa-Haus - die ist hier geboren und allgegenwaertig mit kleinen Denkmaelern und in Informationsbroschueren. Nachmittags treffe ich Mariska und sie zeigt mir das tuerkische Viertel, die Čaršija, und wir klettern auf die verwilderte Burg Kale und schauen uns den Sonnenuntergang an. 


Skopje ist lebendig und energiegeladen. Dass es nicht besonders huebsch ist, macht ueberhaupt nichts, ich fuehle mich wohl. Zum Beispiel am Parlament - ein unglaublich haesslicher sozialistischer Bau, aber davor wehen, ich habe gezaehlt, 25 mazedonische Flaggen am Strassenrand. Die gelbe Sonne auf rotem Grund gibt dem Ort ein froehliches und stolzes Flair.
Skopje ist deswegen so gezeichnet von sozialistischer Architektur, weil es in den 1960er Jahren bei einem Erdbeben weitgehend zerstoert worden ist. Nun baut sich die Stadt ihre Geschichte neu, ueberall entstehen Gebaeude, die alt aussehen, es aber nicht sind. Am Anfang der zentralen Bruecke ueber den Vardar stehen gewaltige Statuen von Goce Delčev und Dame Gruev, zwei mazedonischen Freiheitskaempfern. Sie sind monumental und sehen aus als seien sie mindestens hundert Jahre alt - aber tataeachlich stehen sie dort erst seit zwei Monaten. Ich nehme an, dass Mazedonien als ein Land, das eigentlich keine Geschichte als selbststaendiger Staat hat, solche Dinge braucht, um sich selbst zu definieren. Es ist ja ein zutiefst zerrissenes Land, das Konflikte mit allen angrenzenden Staaten hat. Mit den sonst so schwierigen Serben sind die Beziehungen noch am besten – Albanien, Griechenland und Bulgarien haben alle ein aeusserst gespaltenes Verhaeltnis zu dem kleinen Nachbarn.
Am Abend gehen Mariska, ihre Mitbewohner und ich zum MakeDox Dokumentarfilmfestival und schauen einen Film ueber Mostar, der mich nur einmal mehr daran erinnert, wie tief sich diese Stadt in meinem Herzen verankert hat. Anschliessend uebersiedeln wir auf den Hauptmarkt, dort ist Strassenfest und herrliche Musik von einer italienischen Band mit einer E-Geige, einem Sopransaxophon, Gitarre und Bass - irgendwo zwischen Klezmer, Ethnic, Balkanfolk und Ska. Wir tanzen mit fremden Menschen bis nachts um 2.

Am naechsten Morgen fahre ich mit dem Bus nach Štip und treffe dort meinen Gastgeber Dejan. Wir versuchen meine weitere Route zu planen und es stellt sich heraus, dass der Bus nach Bulgarien, den ich nehmen will, nur nachts um 11 faehrt. Daher schlafe ich nur nachmittags 2 Stunden auf Dejans Couch und verbringe keine ganze Nacht in Štip. Die Stadt ist aber auch wirklich nicht sehr spannend - dafuer die Gespraeche mit Dejan umso mehr. Er hat nur ein Bein, faehrt aber gerade in Etappen mit dem Fahrrad um die Welt, Europa, Asien und Suedamerika hat er schon abgehakt. Wir schnacken so die Zeit davon und abends bringt er mich dann zum Bus.

Der Grenzuebergang nach Bulgarien ist definitiv ein EU-Grenzuebergang. Das erste Mal auf der Reise muss mein Gepaeck oeffnen, sie wollen viermal meinen Pass sehen und das ganze nachts um 2 mitten im Nirgendwo auf einem Bergpass. Mir ist kalt und ich bin muede. Trotzdem beschaeftigt mich am meisten, wie das Ganze die Mazedonier nerven muss. Jahrelang war der Grenzverkehr hier sicher voellig unspektakulaer, und dann brauchten die Mazedonier zwischen 2007 und Anfang des laufenden Jahres ploetzlich sogar Visa fuer Bulgarien!
Ich lande nachts um 4 in Blagoevgrad, wickele mich am Busbahnhof in meinen Schlafsack und doese zwei Stunden vor mich hin. Um 6 stehe ich auf und suche lange nach einem Geldautomaten und dem richtigen Busbahnhof. Schliesslich kriege ich um 7 einen Bus nach Rila und von dort aus einen zweiten zum Kloster Rila.
Rila ist ein friedlicher, ein zauberhafter Ort. Die Sonne scheint so schoen auf die herrliche Klosterkirche und die angrenzenden Klostergebaeude, und die bewaldeten Huegel des Rilagebirges sind voller Vogelgesang. 


Der Bergfluss donnert am Kloster vorbei ins Tal. Es ist so friedlich, dass einem die Geraeusche der Natur wie Laerm vorkommen - aber ein herrlicher Laerm! Ich beziehe fuer eine Nacht eine Zelle mit einer Pritsche, einem Waschbecken mit kaltem Wasser und einer geschnitzten und bemalten Holzdecke, die dem kargen Zimmerchen eine einfache Schoenheit verleiht, wie sie vielleicht nur einem Kloster angemessen ist. Ich wandere ein bisschen um das Kloster herum, verbringe eine lange Zeit in der Kirche und singe schliesslich eine Weile am Ufer des Flusses, in dessen eiskaltes Wasser ich natuerlich auch meine Fuesse hineinhalte. Um 7 gehe ich schlafen.

Ich erreiche Plovdiv am naechsten Nachmittag, und das erste Mal auf der Reise moechte ich am liebsten rueckwaerts wieder zurueck in den Bus fallen, der so schoen kuehl ist mit der Klimaanlage - es ist wahnsinnig heiss. Ich esse ein Eis und treffe meinen Gastgeber Ivan an der Hauptpost. Wir fahren zu ihm und seiner Freundin Nelly nach hause, gehen abends essen und haben einen sehr entspannten Abend.
Am naechsten Morgen laufe ich in die Stadt. Ivan und Nelly halten mich fuer verrueckt, weil ich ankuendige, vermutlich den ganzen Tag ausser Haus zu sein, trotz der Hitze. 


In der Tat suche ich mir zwischen antikem Amphitheater, den wunderbaren Gebaeuden in der Altstadt aus der Zeit der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt im 19. Jahrhundert und der Fussgaengerzone haeufig ein schattiges Plaetzchen, um ein paar Minuten auszuruhen, und nachmittags gehe ich Klamotten einkaufen und schaue in einem Irish Pub Weltmeisterschaft. Anders ist die Hitze einfach nicht zu ertragen.

Ich kann grundsaetzlich nicht bestaetigen, dass die Bulgaren alle grummelig und unfreundlich sind. In einem Internetcafe in Plovdiv lasse ich meine Wasserflasche stehen und ein Maedchen kommt mir, trotz 35 Grad, zwei Kreuzungen hinterhergelaufen um sie mir nachzutragen. Der Busfahrer zwischen dem Kloster in Rila und dem Dorf hilft mir, den schnellsten Weg nach Plovdiv herauszufinden und bewahrt mich so vor 4 Stunden Wartezeit in Blagoevgrad. Das Land kommt mir ansonsten westeuropaeischer vor, vor allem was die Standards im Transportwesen betrifft. Ich bin sehr gespannt auf die Kueste, die sicher deutlich touristischer sein wird. Vor allem freue ich mich auf das Schwarze Meer. Ich habe ja eine besondere Beziehung zur Ostsee, und das Mittelmeer ist mir auch so vertraut. Wie wohl diese neue Kueste mit ihren neuen Horizonten auf mich wirken wird?

Sonntag, 6. Juni 2010

Saranda / Ionische Kueste / Korfu / Ohrid

Von Berat aus nehmen Steve und ich in aller Herrgottsfruehe den Bus nach Saranda. Es wird immer heisser und die Landschaft immer karger, deswegen ist die fruehe Stunde kein Nachteil. In Saranda an der Bushaltestelle, die durch kein Schild und keinen Hinweis gekennzeichnet ist und eigentlich nur aus einer grossen Ansammlung von Bussen besteht, stuerzen sich die Leute mit Angeboten fuer Unterkuenfte auf uns. Wir entscheiden uns trotzdem fuer das Hostel, um dort Internet und Reisetipps nutzen zu koennen.

Das Hostel liegt im 8 Stock eines grossen Appartmentblocks mit herrlichem Blick auf die Bucht von Saranda und auf Korfu. Es haelt uns nicht lange dort, wir gehen gleich schwimmen und schlendern durch das Staedtchen. Es ist nicht gerade huebsch, vielmehr kommt es sehr touristisch daher und am Hang stehen tonnenweise halbfertige Gebaeude. Mit dem Fall des Kommunismus musste man auf einem Stueck Land bauen, um es fuer sich in Anspruch zu nehmen. Viele Leute haben damals ein qualitativ minderwertiges Fundament auf den Hang gesetzt und niemals fertig gebaut. Die schiere Menge an Haeuserskeletten steht in krassem Kontrast zu den aufbluehenden Strandbars und hippen Restaurants an der Promenade. Der Tourismus kommt im grossen Schritten auf dieses Land zu.

Ausser uns ist mit Noveed aus den USA nur noch ein weiterer Gast im Hostel, die Saison ist noch nicht richtig losgegangen. Am Morgen fahren wir zu dritt nach Butrint, um die Quote an UNESCO Weltkulturerbe-Staetten hoch zu halten. Die antike Stadt hat roemische, venezianische und osmanische Ruinen zu bieten - ein herrliches Amphitheater, eine Basilika, ein Kastell auf dem Berggipfel. Die Gelder fuer eine vernuenftige Restaurierung fehlen, alles ist ein bisschen ungepflegt. Das kenne ich aus Griechenland anders. Dafuer kenne ich aus Griechenland aber auch, dass man keinen Tempel betreten darf und ueberall nur auf den ausgeschilderten Wegen laufen darf. Hier koennen wir nach Herzenslust herumklettern. Auch das wird sich sicher bald aendern.

 
Auf dem Weg zurueck nach Saranda halten wir in Ksamil, der Strand soll sehr schoen sein - aber es sind uns schon anderswo schoene Straende versprochen worden, die dann nur mittelmaessig waren. Umso groesser ist die Ueberraschung:


Ein traumhafter kleiner Kiesstrand mit netten Restaurants und drei kleine Inseln, die man schwimmend erreichen kann. Das Wasser ist glasklar und von einem hellen tuerkisblau wie es mir noch nie untergekommen ist. Abends machen wir alle drei bei Annette, der das Hostel gehoert, eine Sitzung Akkupunktur - entspannter geht es einfach nicht.

Fuer den naechsten Tag haben Steve und ich ein Auto gemietet und fahren die ionische Kueste hoch. Ein herrlicher Strand jagt den naechsten. Wir springen fast ueberall kurz ins blaue Mittelmeer und machen auf der Kuestenstrasse staendig halt, um die herrliche Landschaft zu photographieren. Kuehe am Strand und Ziegen auf der Hauptstrasse machen das Flair malerisch und urspruenglich, wir finden eine verlassene Festung und essen herrlichen Fisch zum Mittagessen am Strand, es wird einfach immer besser. Das aendert sich auch nicht, als wir nachmittags das uns gesteckte Ziel erreichen: den Strand von Drymades. Der Lonely Planet schickt uns auf eine "dirt road" - aber die gibt es nicht mehr, alles ist frisch asphaltiert, wir muessen die "dirt road" um wenige Wochen verpasst haben. Deswegen wird die Idylle, die wir erleben, auch nicht mehr lange anhalten. Wir finden voellig verlassene grosse Buchten mit herrlichen Ausblicken auf die Weiten des Meeres. Wir breiten unsere Schlafsaecke unter einem Felsvorsprung aus, Steve macht Feuer, wir haben eine Flasche Wein, die Sonne geht unter, die Sterne zeigen sich. Es ist definitiv eines der Highlights meiner Reise.


Morgens bringen wir das Auto zurueck nach Saranda und nehmen die Faehre nach Korfu. Die drei Tage, die folgen, sind ein Urlaub vom Urlaub: Strand, Sonne, gutes Essen und das ein oder andere Bier in einem Hostel, dessen Anlage eher an Cluburlaub erinnert. Ich habe diese Art von Entspannung dringend noetig und geniesse es in vollen Zuegen.

Der Abschied von Korfu ist auch der Abschied von Steve, der ueber Athen weiter zu den griechischen Inseln in der Aegeis reist. Ich habe mich sehr an ihn gewoehnt und muss mich nun erstmal wieder ins Alleinsein hineinfinden. Die Fahrt nach Ohrid hilft dabei nicht: Ich soll morgens um halb 6 einen Bus in Saranda nach Korca bekommen, der nicht faehrt. Ein Taxifahrer bringt mich fuer ein horrendes Geld nach Gjirokaster, von wo aus der Bus angeblich fahren soll - das stimmt natuerlich auch nicht. Ich bin fast am Verzweifeln, bekomme dann aber einen Bus in ueber Fier Richtung Tirana, der mich irgendwo in der Wallachei bei einem Furgon (einem Minivan, den die Leute hier privat als Bus betreiben) absetzt, welcher mich wiederum nach Elbasan bringt. Von Elbasan bringt mich ein weiterer Furgon an die Grenze zu Mazedonien. Ich muss ueber die Grenze laufen, das ist ziemlich skurril. Auf der anderen Seite erwische ich wieder ein Taxi nach Ohrid. Ich mache drei Kreuze, als ich endlich ankomme, und gehe erstmal schlafen. Wer die Reise auf der Karte nachschaut, wird die absurde Kurve entdecken, die ich da gefahren bin. Aber was lehrt es mich? Man kommt immer irgendwie an.

Ohrid ist ein wunderschoenes Fleckchen Erde. Von der Festung aus ist der Blick ueber den Ohrid-See, das antike Amphitheater und die zahlreichen Kirchen und Kirchlein unfassbar. Die Kirchen gefallen mir am besten. Sie haben eine ganz eigene Architektur mit vielen Kuppeln und Backstein und sind alle mit wunderbaren Wandmalereien geschmueckt. Fast immer stehen die Heiligenbilder vor dunkelblauem Grund, der einen tiefen, unendlichen Nachthimmel suggeriert.

Die Kirche Sveti Jovan Kaneo ist winzig klein und steht auf einem hohen Kliff ueber dem See. Ich zuende dort zwei Kerzen an und muss ploetzlich, kniend auf dem nackten Steinfussboden, bitterlich weinen. Etwas in meinem tiefsten Innern ist angeruehrt von diesem Ort. Ich klettere ueber die hohe Tuerschwelle aus der Nachtstimmung ins Tageslicht zurueck und vor mir liegt in seiner ganzen Schoenheit der See. Es ist bewoelkt in Ohrid, aber auf dem gegenueberliegenden Ufer ueber Albanien funkelt die Sonne. Dankbarkeit durchflutet mich. Nachmittags gehen wir mit einer Menge anderer Reisender aus dem Hostel schwimmen. Wir klettern unmoegliche Wege in eine kleine geheime Bucht hinunter. Das Wasser ist kalt, aber angenehm.


Es giesst in Stroemen, als ich am naechsten Morgen den Bus zum Kloster Sveti Naum nehme. Der Klosterhof ist von sicherlich um die 15 Pfauen bevoelkert, wie ich lerne symbolisieren sie den byzantinischen Glauben. Ich habe noch nie so gepflegte, stolze Pfauen gesehen. Sie wissen sicher um ihre Schoenheit, jedenfalls machen sie einen dementsprechenden Laerm. Das ist skurril, wenn man in der Klosterkirche steht und die Fresken bewundert. Ich sitze lange in der Exedra der Klosterkirche und denke nach. Ich finde langsam wieder zum Alleinsein zurueck. Mir wird klar, dass es mir in Gesellschaft nicht so vorkam, als wuerde ich mich viel und staendig bewegen, weil es eine Konstante in meinem Reisealltag gab. Jetzt strengt mich die viele Bewegung wieder mehr an, aber sie bringt mich auch zurueck zum kribbelnden Aufgeregtsein, wenn es an einen neuen Ort geht. So hat alles seine Zeit, die Geselligkeit und die Einsamkeit, die Unruhe und die Stille.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Half time - taking stock

After the first half of my trip is over, it is time to reflect and look back on the amazing 2 1/2 months that have brought me from Berlin, Germany to Saranda, Albania. I will do this in English so that all the people I was fortunate enough to meet on my trip can follow for once without using google translate on my blog.

“When you’re traveling, you are what you are right there and then. People don’t have your past to hold against you. No yesterdays on the road.” – William Least Heat Moon
Every a-quote-a-day-calendar is full of truisms that all come down to the ancient Latin motto of "Carpe Diem". In my life, I have most always failed to free myself from worries about the future. The question of what it is that I want has always been a matter of great presence in my mind, in my way of thinking, and I always struggled hard to achieve whatever I thought at that time to be the answer. I realize now that I don't have to know the answer now. An Australian girl in Mostar put it in these words: "Right now, all I am worried about is where I am going next. This is a problem I like having." I wholeheartedly share this view, and it puts my mind at ease to for once be able to live in the moment and be who I am without regard for who I might want to be tomorrow or who I was yesterday.
"A journey is like marriage. The certain way to be wrong is to think you control it.” – John Steinbeck
This way of living in the moment alerts you to your surroundings much more than a daily routine ever could. We have so many automatisms in our lives, things we do every morning or every day after lunch time. We don't question them anymore. It is impossible to fall into those behavioral patterns when you are traveling. Every day I wake up and ask myself where I am, and more often than not the answer puts a smile on my face because I realize that my journey has brought me, almost without any fault of my own, to a new exciting place. People often ask me if I have booked hostels or flights or trains. I have nothing booked. My greatest pleasure is the fact that I can stay wherever I like to be and that I can leave wherever I am unhappy.
“A journey is best measured in friends, rather than miles.” – Tim Cahill
People also ask me how I like traveling on my own, if I do not get lonely or bored. The latter strikes me as quite incredible. It is impossible to be bored in a world that has so much to offer, in a world that I do not yet know and will never entirely see through, but can only strive to understand better and better. I am happy with myself when I am strolling along a main boulevard in a foreign city, reading my book on a bridge over a green river, or sitting on a hilltop castle in the sun. What is much more important, however, is that I am never really alone. More than anything, the people I have met on this trip have taught me new views on life and the world.
“All journeys have secret destinations of which the traveler is unaware.” – Martin Buber
Different people have contributed to the most important insight I have made for myself: that nothing i set in stone, and that I do not have to have my life planned out at the age of 25, that I can always try to do one thing and then change to another, and that I am capable of living a stable life without staying in the same career field or city forever. I always thought I needed stability. Never would I have thought that the knowledge that I can choose a different path in my life at any given day, even if it requires massive change, would put my uneasy mind to rest and give me the stability I was looking for. I owe this insight especially to Roni in Rijeka, to Bata in Mostar, to Lazar in Novi Sad and to my travel pal Aussie-Steve. I am blessed to have you in my life.
“Twenty years from now you will be more disappointed by the things you didn’t do than by the ones you did do. So throw off the bowlines, sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.” – Mark Twain
I have done things on this trip that I would not have thought I was capable of. I have seen amazing things, heard amazing stories, smelled unknown scents, and found new loves. It is an experience without which my life would be incomplete, already now when I still have the same amount of time to go. I wish for me to never arrive at a place again, but to always look at the world with the eyes of a traveler, because
“One’s destination is never a place, but a new way of seeing things.” – Henry Miller